A/I/137

Abteilung Austria/Ungarn/Böhmen, Keramik 1860 – 1960, Inventarnummer A/I/137

Friedrich Goldscheider Erste Wiener Terrakottafabrik, Austria, Wien, um 1895, Wandrelief, Künstler unbekannt, Werks.-Nr. 727, Exemplar Nr. 8, Modelleur Nr. 13, gemarkt Firmenmarke mit Friedrich Goldscheider Wien, P, 727, 8 sowie 13 alles gepresst, nicht signiert, Literatur: Robert E. Dechant/Filipp Goldscheider, Firmengeschichte und Werkverzeichnis, Seite 299, dort noch nicht erfasst, dafür zwei andere Erfassungen unter Werks-Nr. 727, eine Figur und eine Statuette, Seite 604, Firmenmarke Nr. GS 7 (für die Zeit 1895 – 1910) identisch sowie Seite 606, Zusatzzeichen GS Z 3 (für die Zeit 1885 – 1922) identisch, die Ursprünge der Firma gehen zurück auf das Pilsener Handelsunternehmen Moritz Goldscheider der 1860‘ Jahre, nach dem Tode von Moritz Goldscheider werden die Brüder Eduard und Friedrich Goldscheider Eigentümer und firmieren ab 1877 als M. Goldscheider’s Erben, Thon-und Kunststeinmanufactur Werk Moldau und ab 1878 als Brüder Goldscheider, im Jahre 1878 wandert Friedrich Goldscheider nach Wien aus und Eduard führt die Firma in Pilsen bis zum Konkurs 1892 allein weiter, Friedrich Goldscheider firmiert in Wien ab 1880 als Goldscheider’sche Porzellan-Manufaktur und Porzellanmalerei, neben Handelsgeschäften betreibt die Firma vorwiegend die Porzellanmalerei, das Porzellan wird von böhmischen Manufakturen bezogen und teilweise auch in Böhmen bemalt, ab 1885 ändert sich die Firmierung in Goldscheider’sche Porzellan-Manufaktur und Majolicafabrik, das Jahr 1885 gilt als das offizielle Gründungsjahr, ab 1887 bezeichnet Friedrich Goldscheider seine Fabrik als Erste Wiener Terracotta- und Majolika-Fabrik Friedrich Goldscheider oder als Erste Wiener Kunst-Terracotta-Fabrik und kunstgewerbliche Ateliers Friedrich Goldscheider und offiziell ab 1894 als Friedrich Goldscheider Erste Wiener Terrakottafabrik, Friedrich Goldscheider stirbt im Jahre 1897, seine Ehefrau Regine Goldscheider wird Alleineigentümer und firmiert ab 1899 als Friedrich Goldscheider in Wien, Berlin und Leipzig, ab 1907 firmiert die Firma als Erste Wiener Terrakottafabrik und Atelier für künstlerische Fayencen Friedrich Goldscheider, im Jahre 1918 stirbt Regine und die Söhne Walter und Marcell Goldscheider werden Inhaber, ab 1921 ändert sich die Firmierung in Wiener Manufaktur Friedrich Goldscheider, 1928 scheidet Marcell Goldscheider aus und gründet seine eigene Firma in Wien, 1939 wird die Firma arisiert und Josef Schuster wird Inhaber, Firmierung ab 1939, Wiener Manufaktur Friedrich Goldscheider Nachf., Inhaber Josef Schuster, ab 1941 lautet die Firmierung Wiener Manufaktur Josef Schuster, vorm. Friedrich Goldscheider, nach dem WK II erhält Friedrich Goldscheider seine Firma zurück und firmiert ab 1950 wieder als Wiener Manufaktur Friedrich Goldscheider, in dieser Zeit verkauft er die Firma an die Majolikafabrik Carstens, in Fredelsloh, die in Fredelsloh Wiederauflagen alter Modelle in minderwertigem braunem Ton aber auch neue Modelle ebenfalls in dieser Tonart produziert, ab 1953 firmiert die Firma als Kunstkeramische Manufaktur Goldscheider GmbH und 1960 wird die Produktion in Fredelsloh eingestellt, da die im Werkverzeichnis unter Werks.-Nr. 727 genannten Goldscheider Fabrikate (Figur und Statuette) nur von alten schriftlichen Überlieferungen übernommen worden sind und keines der beiden Fabrikate als erhalten recherchiert werden konnte, das MEK Exemplar aber erhalten und somit nachweisbar ist, geht das MEK davon aus, dass Werks.-Nr. 727 für das Wandrelief vergeben worden ist, möglich ist weiterhin, dass entweder für die Figur oder die Statuette auch die Werks.-Nr. 727 vergeben worden ist, dann handelt es sich um eine der um diese Zeit üblichen Überschneidungen mit der Pariser Produktion, möglich ist aber auch, dass das MEK Exemplar mit einer falschen Werks.-Nr. versehen worden ist, links neben der Fabrikmarke gibt es etwas Farbverlust, in diesem Bereich gibt es evtl. eine Künstlersignatur, sollte das so sein, so ist diese nicht lesbar, das MEK Exemplar dieses Wandreliefs ist eines der Wenigen, wenn nicht das Letzte weltweit erhalten gebliebene Exemplar, Höhe 27 cm, Breite 30,5 cm