Kurzbiografie und Inventar zum Künstler

Hermann Gretsch wurde am 17.11.1895 in Augsburg geboren. Er starb am 29.05.1950 in Stuttgart. Gretsch studierte Architektur an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Außerdem bestand er seine Gesellenprüfung als Keramiker an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule. 1928 erwarb er einen techn. Doktortitel. 1930 war er in leitender Position am Landesgewerbeamt in Stuttgart tätig und noch im gleichen Jahr begann er für die Porzellanfabrik Arzberg, Zweigwerk der Porzellanfabrik Kahla AG zu arbeiten, anscheinend als freier Mitarbeiter. Bis zu seinem Tode war er künstlerischer Leiter dieser Porzellanfabrik. 1935 übernahm er die Leitung des Deutschen Werkbundes. 1940 wurde er Direktor der Stuttgarter Kunstgewerbeschule. 1941 wurde Gretsch stellvertretender Direktor der staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. 1943 wurde er in den Aufsichtskonzern des Kahla Konzerns gewählt. 1945 ließ er sich als freier Architekt in Stuttgart nieder und leitete den Nachkriegs-Neuanfang der Arzberger Porzellanfabrik. Berühmt wurde Gretsch allerdings, weil er 1931 für die Arzberger Porzellanfabrik das zeitlose Kaffee- und Tafelservice Form 1382 entwarf. Für die Form 1382 erhielt er 1936 die Goldmedaille auf der VI. Triennale von Mailand. 1950 nahm das New Yorker Museum of modern art die Form in die Ausstellung “Good design” auf. Die Form 1382 gehört zu den deutschen Klassikern der Industrieprodukt-Gestaltung und wird noch heute in Arzberg produziert. Gretsch reihte sich mit der Form 1382 in die moderne Produktgestaltung der deutschen Porzellanindustrie ein und war auf Augenhöhe mit bedeutenden Künstlern und Entwerfern seiner Zeit, wie Wilhelm Wagenfeld mit der Form 639 für die Fürstenberger Porzellanmanufaktur (siehe MEK D/LVII/1 und D/LIII/2), Magarethe Friedländer mit dem Service “Halle” für die Kgl. Porzellanmanufaktur Berlin oder Trude Petri mit dem Service “Urbino” ebenfalls für die KPM.

Abteilung Deutschland, Keramik 1860 – 1960, Inventarnummer D/XCV/5

Porzellanfabrik Arzberg, Zweigwerk der Porzellanfabrik Kahla AG, vormals Porzellanfabrik Schönwald, Abteilung Arzberg, vormals Porzellanfabrik Theodor Lehmann, vormals Porzellanfabrik Lehmann & Roßberg, vormals Porzellanfabrik Christoph Schumann, Deutschland, Arzberg, um 1931, Souciere Form 1382 mit Rotrand, Künstler Hermann Gretsch, Werks.-Nr. ohne, Exemplar Nr. ohne, gemarkt Firmenmarke Schriftzug Porzellanfabrik Arzberg, darunter Arzberg (Bayern) grüner Stempel unter Glasur (Marke gültig für die Zeit 1930 bis 1947), 33 roter Stempel auf Glasur, 1382/1, darunter 81 gepresst (nicht fotografierbar, da sehr schwach gepresst), nicht signiert, Literatur: J. G. Th. Graesse und E. Jaenicke, Führer für Sammler von Porzellan und Fayence, Steinzeug, Steingut usw., Seite 432, Marke Nr. 2 identisch, weitere Literatur: Gustav Weiß, Ullstein Porzellanbuch, Seite 240, Marke Nr. 9 identisch, weitere Literatur: Robert E. Röntgen, Deutsche Porzellanmarken von 1710 bis heute (Ausgabe Jahr 2000), Seite 40, Marke Nr. 130 identisch (dort angegeben für die Zeit von 1930 bis 1947, 1887 gründete Christoph Schumann, Sohn des Arzberger Porzellanfabrikanten Christian Heinrich Schumann in Arzberg, bei der Jakobsburg, eine eigene Porzellanfabrik (ab da zwei eigenständige Schumann’sche Porzellanfabriken in Arzberg, die dann unter wechselnden Eigentümern, Firmierungen und Firmenmarken, rund 100 Jahre nebeneinander betrieben worden sind), Firmierung Porzellanfabrik Christoph Schumann, um 1892 verkaufte Christoph Schumann die Fabrik an Theodor Lehmann und dessen Geschäftspartner Roßberg, Firmierung Porzellanfabrik Lehmann & Roßberg, Christoph Schumann wanderte nach Schwarzenhammer aus und gründete dort 1905 zusammen mit seinem Schwiegervater Schreider die Porzellanfabrik Schumann & Schreider, ab 1897 ist Lehmann Alleineigentümer, Firmierung Porzellanfabrik Theodor Lehmann, die Fabrik fusionierte 1902 mit der Porzellanfabrik Schönwald AG, die Firmierung änderte sich in Porzellanfabrik Schönwald AG, Abteilung Arzberg, 1927 fusionierte die Porzellanfabrik Schönwald AG mit der Porzellanfabrik Kahla AG, die Firmierung änderte sich in Porzellanfabrik Kahla AG, Zweigwerk Arzberg, 1972 fusionierte der westdeutsche Teil der Porzellanfabrik Kahla AG mit der Hutschenreuther AG, die Fabrik in Arzberg wurde mit gleichem Namen weitergeführt, 1998 ist die Arzberger Fabrik der Winterling Porzellan AG zugehörig und im Jahr 2000 gehört die Fabrik zur SKV Porzellan-Union, Höhe 9,2 cm, Breite 20 cm